Prostatabiopsie mittels MRT- und Ultraschall-Fusion  

Gründe für eine Prostatabiopsie sind erhöhte PSA-Werte, seltener ein auffälliger Ultraschall- oder Tastbefund.
Die Entdeckungsrate der klassischen, alleinig ultraschallgesteuerten Biopsie liegt nur bei 25-35%, der aggressivste Tumoranteil wird in 30% nicht erfasst und mind. 30% der Karzinome werden im Rahmen der ersten Biopsie nicht entdeckt. Der Ultraschall ist daher eine unzuverlässige Früherkennungsmethode, es bleibt oft die Unsicherheit, wie mit dem Biopsiebefund zu verfahren ist.
Mit der Einführung der multiparametrischen MRT der Prostata wurde der Ultraschall als bildgebendes Verfahren bei Verdacht auf ein Prostatakarzinom abgelöst. Diese Methode erkennt aggressivere („signifikante“) Tumoren mit 90% Wahrscheinlichkeit, wohingegen weniger aggressive („insignifikante“) Tumore selten zur Darstellung kommen.
Eine alleinig MRT-gesteuerte Biopsie ist technisch zu aufwendig, aber durch eine Verschmelzung (Fusionierung) des MRT-Bildes mit dem Ultraschallbild gelingt es, die Entdeckungsrate der Prostatakarzinome signifikant zu erhöhen und unnötige Biopsien zu vermeiden.
Dies kann kognitiv erfolgen (während der Ultraschall-gestützten Biopsie werden die MRT Bilder mit dem Ultraschallbild der Prostata korreliert), noch exaktere Biopsien erlaubt aber die computergesteuerte Fusionsbiopsie der Prostata.

Dabei werden in den MRT Bildern sowohl die Prostatakontur als auch die verdächtigen Areale konturiert und 3-dimensional rekonstruiert. Dieser Datensatz wird mit einer Spezial-Software während der Biopsie mit den durch den Enddarm gewonnen Ultraschallbildern der Prostata fusioniert. Dabei werden die Bilder so überlagert, dass die Prostatakontur in den MRT- und Ultraschallbildern exakt übereinstimmt. So können die Biopsien punktgenau gewonnen werden.

Je nach Befund wird im Einzelfall entschieden, ob die Biopsie mittels einer kognitiven (transrektal über die Darmschleimhaut, in der Regel unter lokaler Betäubung) oder computergesteuerten Fusion erfolgt. Letztere bieten wir als perineale Biopsie (durch die Haut im Dammbereich) in einer kurzen Narkose an.
Letzteres Verfahren ist zudem durch die Umgehung der zahlreich im Darm vorkommenden Bakterien mit einem niedrigeren Infektionsrisiko verbunden.

    Als ein Fusionsbiopsie-Zentrum bieten wir die computergesteuerte Fusionsbiopsie seit 2015 für unsere eigenen Patienten aber auch als Auftragsleistung bei von anderen Urologen überwiesenen Patienten an. Stand Juni 2019 kann unsere Arbeitsgruppe auf über 1.000 dieser computergesteuerten Biopsien zurückblicken. Tabellarisch zusammengefasst sehen Sie unsere Detektionsraten in Abhängigkeit vom Verdachtsgrad des MRT (PIRADS Score 3-5).

      • PIRADS 3: "unklarer Befund"
        Detektionsrate Prostatakarzinom 53%

      • PIRADS 4: "signifikantes Karzinom wahrscheinlich"
        Detektionsrate Prostatakarzinom 81%

      • PIRADS 5: "signifikantes Karzinom sehr wahrscheinlich"
        Detektionsrate Prostatakarzinom 91%

      WEITERE SCHWERPUNKTE